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Dr. med. Peter Seidel
Psychiatrie und Psychotherapie
Psychotherapeutische Medizin
Psychoanalyse

In kassenärztlicher Praxis niedergelassen seit 1978
Beginn der Ausbildung 1968

Ärztekammer Hamburg
Kassenärztliche Vereinigung Hamburg



Lüneburger Straße 43,
21073 Harburg
040-7658040


Termine werden nur telephonisch vergeben. Als Psychotherapeut brauche ich kein Personal, sondern vergebe wie ein Privatmusiklehrer meine Termine selbst. Während der Gespräche mit Patienten kann ich nicht telephonieren und bin daher für Terminanfragen nur zu meinen festen Telephonsprechzeiten erreichbar: Montag und Donnerstag 12 Uhr bis 12 Uhr 30.

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Was ist Psychotherapie?
Häufig gestellte Fragen
Interessengebiete und Veröffentlichungen

Ich arbeite nur als Psychotherapeut, nicht als Nervenarzt im üblichen Sinne; Medikamente gibt es bei mir nicht. Sollten solche wirklich notwendig sein, müßte das parallel ein anderer machen.

Psychotherapie ist nur im direkten persönlichen Kontakt möglich. Daher antworte ich nicht auf Anfragen per mail.

Beruflicher Lebenslauf:

Nach einer ersten Analyse ab 1968 schon als klinischer Medizinstudent kam ich mit fertiger tiefenpsychologischer Orientierung in die Psychiatrie. Das ist objektiv eine Besonderheit, da die meisten erst als fertige Fachärzte ihre psychoanalytische Weiterbildung machen können. Aus meinen Erfahrungen in der klinischen Psychiatrie heraus konnte ich zwei Aufsätze publizieren. Anstatt jahrelang auf eine offizielle Institutsausbildung zu warten, entschloß ich mich, meine Ausbildung nach den Bestimmungen der Ärztekammer Hamburg abzuschließen.

Herbst 1972


medizinisches Staatsexamen

1977


Facharzt für Psychiatrie

1977


Zusatzbezeichnung "Psychotherapie"

Ende 1978


Niederlassung als ärztlicher Psychotherapeut in eigener Praxis; zunächst in Hamburg - Ohlsdorf

    1981


Zusatzbezeichnung "Psychoanalyse"

    1997


Verlegung der Praxis nach Hamburg - Harburg

Von 1985 bis 1989 war ich Fachbeisitzer für Psychoanalyse im Weiterbildungsauschuß der Ärztekammer Hamburg.

Ich bin gegenüber irgendwelchen Mitgliedschaften sehr mißtrauisch geworden (s.u. Stellungnahme zur Psychoanalyse als Berufsgruppe). - Meine praktische Tätigkeit (erste Patienten im Jahre 1971) führte mich zunehmend zur kritischen Beschäftigung mit der kassenärztlichen Tätigkeit als Psychotherapeut, deren Grundlagen andere sind als in der reinen psychoanalytischen Lehre behauptet. Ich habe auch an einer Gruppenanalyse teilgenommen und viel eigene Erfahrung mit ambulanter Gruppentherapie gesammelt.


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Was ist Psychotherapie?

Meine Richtung ist die tiefenpsychologisch fundierte und analytische Psychotherapie, die seit nunmehr fast 40 Jahren in der Kassenärztlichen Psychotherapie verankert ist. Eine Therapie besteht aus vielen regelmäßig stattfindenden Gesprächen.

Seit der Zulassung der Psychologen 1999 hat sich die "Kurzzeittherapie" festgesetzt und manche Klienten denken bereits, eine Psychotherapie dauere immer 25 Sitzungen. Das ist falsch: im Gutachtererfahren der Richtlinienpsychotherapie sind für die "tiefenpsychologisch fundierte" Psychotherapie (in der Regel eine Sitzung in der Woche) zunächst 50, dann im Verlängerungsverfahren zusätzlich 30, anschließend unter Umständen noch einmal 20 Sitzungen möglich, für die "analytische Einzelpsychotherapie" (normalerweise mindestens zwei Sitzungen in der Woche) sind es anfangs 80 oder 160, dann noch einmal 80 Sitzungen. Für einen Verlängerungsantrag muß nachgewiesen werden, daß die bisherige Therapie eine Entwicklung in Gang gebracht hat. Eine Psychotherapie dauert nicht so lange, wie die Krankenkasse zahlt; sie dauert so lange, wie der Klient es braucht und die Finanzierung sichergestellt ist!

Es ist die "schöne" Aufgabe des Therapeuten. die Klienten dazu zu bringen, über Dinge zu sprechen, über die sie eigentlich nicht sprechen wollen. Unsere Theorie ist, daß Probleme ausgesprochen werden müssen; dann kann man sie besser verarbeiten. Der Therapeut hilft dabei, sich selbst mit Abstand zu sehen. Ohne Vorurteile Zuhören zu können ist die wichtigste Fähigkeit des Therapeuten und es braucht viele Jahre, das zu lernen. Es werden von den Krankenkassen ein Vorgespräch und fünf bis acht zusätzliche Probesitzungen bezahlt. Diese Sitzungen sind genauso wie die Therapie selbst kein netter Klönschnack, sondern gehen ans Eingemachte und dienen dazu zu prüfen, ob eine psychotherapeutische Zusammenarbeit möglich ist. Das ist nicht immer der Fall.

Die Unterschiede zur Verhaltenstherapie sind in der Praxis nicht unbedingt so groß. Verhaltensänderungen ergeben sich bei beiden Formen der Therapie; beide Richtungen versuchen, Muster in der Erlebnisweisen des Klienten aufzufinden und zu hinterfragen.

Wer ist geeignet? Wer erkennt, daß er selbst einen Anteil an seinen Problemen hat, wer wiederkehrende problematische Verhaltensweisen besser in den Griff  bekommen will, wer - kurz gesagt - an sich selbst arbeiten will und sich nicht nur als Opfer sieht: der wird bei allen Therapeuten einen engagierten Zuhörer finden.
Wer ist nicht geeignet? Wer die ganze Verantwortung für sich beim Therapeuten abgeben will.
Wer nur kommt, weil ihn der Hausarzt schickt, aber keine Idee hat, wieso.
Wer wünscht, daß der Therapeut seine Berichte liest, aber selbst nicht redet.
Wer mißbraucht den Therapeuten? Wer nur ein Attest braucht, um mit Hilfe einer Krankschreibung sein Leben zu managen.
Wer sich
drei Therapeuten gleichzeitig "angucken" will.
Wer eine Absage braucht, um seine Krankenkasse zur Bezahlung einer außervertraglichen Therapie zu zwingen.


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Häufig gestellte Fragen:

Warum kann ein Therapeut nicht krank schreiben? Er soll nachvollziehen, was den Klienten quält; dadurch ist er befangen und kann nicht plötzlich daneben stehen und "objektiv"  den Schweregrad der Beschwerde einschätzen.
Warum verschreibt ein Therapeut keine Tabletten?
Er kann nicht gleichzeitig Tabletten verordnen für dieselben Beschwerden, denen er im Gespräch auf den Grund gehen will.
Warum ist ein Therapeut
so schlecht erreichbar?
Während seiner therapeutischen Sitzungen kann er nicht mit anderen telephonieren.
Während seiner Telephonsprechzeiten ist er zuverlässig da.
Warum kann ich nicht einfach so mal in die Praxis kommen? Es ist kein Sprechstundenbetrieb, sondern eine persönliche Verabredung wie beim Klavierunterricht. Die Sitzungen dauern 50 Minuten, so ist es vertraglich vereinbart.
Warum liest der Therapeut
keine Berichte?
Weil es in den Vorgesprächen darum geht, ob ein persönlicher Zugang gefunden werden kann. Die Meinung eines anderen über den Klienten würde den Therapeuten zu diesem Zeitpunkt nur stören. Er lernt seinen Klienten sowieso viel besser kennen als es einem Arzt in der Sprechstunde oder während eines kurzen Klinikaufenthalts möglich ist.
Warum ist ein Therapeut
im Erstgespräch so komisch?
Der Therapeut soll keine Unterhaltung mit dem Klienten "über" diesen führen. Er muß im Erstgespräch einen neuen Lebenslauf in sich aufnehmen. Er muß hören, was gesagt wird, und überlegen, was nicht gesagt wird. Er muß in sich hineinhorchen, wie das Alles auf ihn wirkt, um sich die Reaktionen anderer auf den Klienten vorstellen zu können. Dann muß er noch versuchen, die Oberfläche "anzukratzen", um zu sehen, ob der Klient einer Behandlung zugänglich ist. Die Reaktionen des Klienten darauf werden in den Probesitzungen erforscht. Ein einziger Termin kann niemals ausreichen.

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Berufliche Interessengebiete und Veröffentlichungen/Vortragstexte:

Es gibt hier nur die Zusammenfassungen, mit Ausnahme des Aufsatzes über Brahms, der ein Beispiel für die psychoanalytische Betrachtungsweise bietet; wer Interesse an den anderen Texten hat, kann sich persönlich bei mir melden.

Psychiatrie

Schizophrenie
Paranoide Psychose
Dynamik der Teilobjekte
Körperselbst und Teilobjekt
Jahrbuch der Psychoanalyse 1990
Zeitschrift für psychoanalytische Theorie und Praxis 2000
Vortrag vor dem Michael-Balint - Institut 1987

Vortrag vor dem Abraham - Institut in Berlin 2001 und vor der APH Hamburg
Psychotherapie Gruppenanalyse
Kassenfinanzierung
Ausfallshonorar
Manuskript aus dem Jahre 1987
Vortrag vor der APH Hamburg vom 21.01.2001
Unveröffentlichte Replik auf einen Aufsatz Reimers 1999
Berufspolitik Phasenlehre und Berufspolitik
Stellungnahme zur Psychoanalyse
online publiziert in den "Berliner Blättern" 1999
unveröffentlicht 2006
Sozialpsychologie Die deutsche Seele
Psychoanalyse der christlichen Religion
unveröffentlicht 1999
Vortrag vor der APH Hamburg 2004
Angewandte Psychoanalyse Johannes Brahms - Sextett op. 36 privat 2010

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Probleme des Zugangs bei Schizophrenen; zum Verständnis des Beitrags von Gisela Pankow

Erschienen im "Jahrbuch der Psychoanalyse" 1990, 25, 256 - 280

Narzißtische Patienten halten ein kohärentes grandioses Selbst besetzt; bei Schizophrenen desintegriert diese Struktur. Die kohärente Körperselbstrepräsentanz wird regressiv aufgegeben, es gibt keine symbolische Repräsentanz eines begrenzten und sexuell differenzierten Körpers mehr. Das böse Selbst (der böse Phallus) wird mit einem Körperteil identifiziert und abgespalten. Es entstehen dabei typische Phantasmen eines in vertikaler oder sagittaler Richtung zerteilten Körpers. In einem ersten Abwehrschritt (kennzeichnend für die paranoiden Psychosen) ist nur die Repräsentanz des Penis als Teilobjekt aufgespalten, aber ein primitives konkret bisexuelles Körperbild erhalten. Im zweiten Schritt (kennzeichnend für die Schizophrenie) wird auch die Brust resp. der Mutterleib als aufgespalten erlebt. Diese Abwehrschritte erscheinen bei Pankow als gestörte "Grundfunktionen des Körperbildes"; sie können in der Kleinianischen Begriffswelt beschrieben werden. Deutet der Analytiker fälschlicherweise wie bei einer Neurose Triebwünsche in Objektbeziehungen, wird er Teil der Psychose. Erfaßt er aber korrekt, daß erst einmal eine Dynamik gespalten erlebter Teilobjektbezüge besteht, so kann eine typische Übertragungskonfiguration entstehen und durchgearbeitet werden, in welcher der Analytiker zunächst mit den abgespaltenen Teilen projektiv identifiziert wird, und der Patient sich diese dann in einem oralen Angriff re-introjiziert. Eine regressive narzißtische oder Borderline - Abwehrorganisation kann sich aufbauen, mit den allerdings schwerwiegenden Problemen der weiteren Aufarbeitung. Der Gebrauch von Malen und Modellieren nach Pankow ist dabei kein omnipotenter "Trick", sondern ein reversibler Parameter, der dazu dient, eine symbolisierte Interaktion zu erzwingen.

Nur Fachkollegen verständlich.


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Zur Psychoanalytischen Auffassung paranoider Wahnbildungen

Erschienen in der "Zeitschrift für Psychoanalytische Theorie und Praxis" XV, 2000, 2, 172-195

Die klassischen Ansätze zum Verständnis des paranoiden Wahns werden skizziert: Den Ansichten von Freud, Tausk und der Selbstpsychologie mit ihrer "homosexuellen" oder narzißtischen Sicht der Problematik wird die kleinianische Auffassung mit der Betonung auf unbewußten Schuldgefühlen und Über-Ich - Vorläufern gegenübergestellt. Besonders der Gesichtspunkt der "depressiven Angst um das Teilobjekt" scheint geeignet, die psychotische Übertragungssituation zu verstehen. Die erfolgreich verlaufene und katamnestisch abgesicherte Behandlung einer paranoiden Psychose wird dargestellt, in der es gelang, die wahnhafte Verfolgung wieder als Schuldgefühl zu integrieren. Die Formulierung bietet sich an, daß bei der paranoiden Psychose der "Schatten des Teilobjekts" auf das restliche Ich fällt.

Nur Fachkollegen verständlich.


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Die Durcharbeitung von Teilobjektbezügen als dynamisches Zentrum
der schizophrenen Psychosen

Vortrag vor dem Michael-Balint - Institut am 04.12.1987

Was ist das Konfliktniveau der Psychose? - In unseren Analysen sind wir fasziniert, wenn tiefe Schichten erreicht werden, wenn archaisches Material auftaucht, Ängste vor dem Ertrinken, Zerstückeltwerden, Fressen und Gefressenwerden. Viele halten das für psychotisch oder "früh". Stimmt das aber? Ist es möglich, die Psychose zu verstehen unter Anwendung der bei Neurotikern benutzten Mathematik der Familienbeziehungen, Mutter und Vater als Objekte, meinetwegen im Rahmen einer oralen Trieborganisation? Nun, ich glaube nicht. Solche Versuche müssen in der projektiv-psychotischen Abwehr des Patienten enden, weil verkannt wird, daß kohärent besetzte Selbst- und Objektimagines nicht mehr existieren. Die Regression des Psychotikers geht tiefer; es tut not, sich mit dem Bereich zu beschäftigen, der vor der personalen Beziehung (also vor dem 6.-8. Monat) liegt, also mit einem Stadium, in welchem dem Säugling noch keine Ganzobjekte begreifbar sind, sondern noch ein Chaos von inkohäsiven Eindrücken, Erinnerungsspuren lustvoller und befriedigender Art, besteht. - Gibt es in diesem Chaos eine Konfliktebene? Es tut not, sich en detail mit der seit Jahrzehnten vorliegenden psychoanalytischen Theorie zu beschäftigen, die diesen frühen Bereich erforscht und beschrieben hat, nämlich der Theorie Melanie Kleins. Bei ihr findet sich eine detaillierte Beschreibung der oralen Phase; sie zählt die einzelnen Mechanismen auf, die vor der Objektbeziehung in dem Bereich wirksam werden, in dem es nur Teilobjekte gibt. Der von ihr 1946 eingeführte Gesichtspunkt der "depressiven Angst um das Teilobjekt" erlaubt es, die psychotische Übertragungssituation zu "verstehen"; wegweisend ist dabei häufig das Traummotiv der angreifenden Schar beißend-stechender Insekten. Anhand von Momentaufnahmen aus den analytischen Verläufen verschieden strukturierter Patienten wird versucht, dieses Regressionsniveau der Teilobjektbezüge zu erfassen.

Nur Fachkollegen verständlich.


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Körperselbst und Teilobjekte in der anfänglichen Übertragung bei wahnbildenden Psychosen

Aufgrund des Interesses, das der Artikel zur paranoiden Psychose geweckt hatte, hatte man mich in Berlin am DPV- Institut (Abraham - Institut) zu einem Vortrag eingeladen (16.05.2001), den ich - in erweiterter Form - vor der APH Hamburg wiederholte (21.06.2002).

Bei Schizophrenen ist, Tausk und Pankow folgend, der entscheidende Abwehrmechanismus die regressive Fragmentierung des Körper - Selbsts. In der Übertragung wird der abgespaltene Körperteil in einer symbiotischen Beziehung in den Analytiker projiziert und in ihm wiedergefunden. Bei den paranoiden Psychosen sind Teilobjekte zwar bereits konfiguriert, aber aufgrund des Überwiegens frühester Destruktivität noch gespalten in guten und bösen, verfolgenden Anteil. Die Durcharbeitung von "depressiver Angst in Bezug auf das Teilobjekt" nach Melanie Klein ermöglicht eine neutralisierte und symbolbildende Besetzung des Teilobjekts, insbesondere des Penis als "Alternativobjekt oraler Begierde", womit wieder fundamentale Symbolregister als Grundlage des realistischen Denkens zur Verfügung stehen.

Nur Fachkollegen verständlich.


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Kassensychotherapeutische Gruppenanalysen aus kleinianischer Sicht

Aus dem Jahre 1987, unveröffentlicht

Es ist möglich, die praktischen Erfahrungen in der kassenfinanzierten Gruppentherapie mit kleinianischen Begriffen zu erfassen. Orale Gier und Neid sowohl in der Dyade, als auch in der Geschwister- und ödipalen Situation zwingen die Gruppe zu radikalen regressiven Abwehrbewegungen. Die Bildung eines Gruppen - Charakters ist meist mit Ausstoßung eines das Abgewehrte verkörpernden Mitglieds verbunden; anschließend versucht die Gruppe, die gefährliche destruktive Gier mit Mechanismen der paranoid - schizoiden Position zu bewältigen. Je nachdem überwiegt dabei mehr die Phantasie, das idealisierte (Teil -) Objekt einverleibt zu haben (verkörpert im führenden Mitglied), oder auch, sich unter einem aggressiven Leiter in einem Überlebenskampf gegen den Therapeuten zusammenzuschließen. Bei der Durcharbeitung dieser Abwehrbewegungen kommt der Auseinandersetzung mit den Grenzen, Zeit, Geld und Trennungen besondere Bedeutung zu, durch den Parameter der Fremdfinanzierung spezifisch eingefärbt. Allmählich treten reparative Prozesse in Erscheinung, wenn der Leiter dies Ausmaß an Gier und Neid "überlebt". Das Erlebnis gelungener Wiedergutmachung und Bewahrung des Objekts z.B. über die Ferien hinweg befähigt die Gruppe, aus der Dyade herauszutreten und ganz kleinianisch auch hier mit dem Penis als Alternativobjekt oraler Begierde sich nun mit der Beziehung zum Paar zu beschäftigen, dem Privatleben des Leiters oder genauso seiner ödipalen Verbindung zu Kasse und Gutachter. Gier und Neid nehmen so eine reifere genitale Färbung an, wobei die gelungene Paarbildung und anerkannte generative Potenz eine Hoffnung auf eine Lösungsmöglichkeit der Konflikte bieten, eine Wiedergutmachung auf gesundem genitalen Niveau.

Nur Fachkollegen verständlich.


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Einflüsse der Kassenfinanzierung auf den psychotherapeutischen Behandlungsprozeß

Im deutschen Schrifttum wird die Problematik fremdfinanzierter analytischer Prozesse weitgehend verleugnet. Streng genommen stellt die Kassenfinanzierung einen Verstoß gegen die Abstinenzregel dar. In der Arzt -Patient - Beziehung der Sozialversicherten mischt sich das mit der herkömmlichen Idealisierung des Arztberufs. Es ergibt sich daraus ein in spezifischer Weise gefärbter andersartiger Ablauf des Prozesses. An Beispielen werden genannt: Das anfängliche Hineinspringen in die idealisierte Übertragung; das gemeinsame Regredieren von Therapeut und Klient in eine apersonal - parasitäre Beziehungsmodalität, am Ehesten mit dem Kleinschen Konzept der paranoid-schizoiden Position zu erfassen, unter gemeinsamer Abwehr des Ödipus, von Gier und Schuldgefühl; der Übergang beim Verlängerungsantrag in eine nun personal erlebte verpflichtende Beziehung ("depressive Position"); das Regredieren in der Endphase wieder zurück in eine omnipotent fordernde Patientenmentalität. Durch den Antragsrhythmus der Richtlinienpsychotherapie wird ein Prozeß der Aufarbeitung einer bestehenden Regression aus Abwehrgründen gesetzt, von einer Regression im Dienste des Ichs kann man in einem fremd-finanzierten Setting nicht sprechen. Auch die Entwicklung des klinischen Denkens der letzten zwanzig Jahre mit der Tendenz zur fortwährenden Verfrühung der Problematik und Verlängerung der Analysen wird in einen Zusammenhang zur Situation der kassenfinanzierten Therapie gebracht. - Schlußfolgerungen für die Handhabung des Antragsverfahrens, die Bearbeitung der Realität des Gutachters, die Handhabung von Ausfallshonorar und Rechnungstellung, die Einschätzung der Gegenübertragung werden gezogen und begründet.
Der Artikel war auch eine Zeitlang unter den Fachtexten des Deutschsprachigen Psychotherapieforums zu lesen (psychotherapie.org)


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Zur Problematik des Ausfallshonorars

Die Regelung des Ausfallshonorars wird in der praktischen psychotherapeutischen Tätigkeit oft als ein Tabu behandelt, von den Patienten nicht akzeptiert, von den Therapeuten mit Schuldgefühlen gehandhabt. Die Aufrechterhaltung eines stringenten Rahmens der Therapiesituation auch in diesem Punkt gehört zur therapeutischen Beziehung dazu, wenn sie nicht in einer  symbiotischen Wunscherfüllung stecken bleiben soll. Es geht dabei nicht nur um die im Verhältnis unerhebliche finanzielle Absicherung, sondern mehr um eine wichtige Möglichkeit, aus der durch die Tatsache der apersonalen Kassenfinanzierung gesetzten Idealisierung im Interesse des Klienten herauszukommen. - Eine Replik auf einen Artikel von Reimer im "Psychotherapeut" 1999 - blieb leider unveröffentlicht.


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Phasenlehre und Berufspolitik

Ein polemischer Artikel zur Lage der Psychotherapie in der Berufspolitik. Oraler, analer und phallischer Narzißmus werden beschrieben: der orale - das Geld lockt im letzten Wachstumsmarkt im "Gesundheitswesen"; der anale - wohl dem, der sich im Weiterbildungsmarkt tummeln kann; der phallische - die Schulmeinungen kämpfen um irrelevante Dinge, denn es bleibt die Frage des genitalen - regenerativen - Gesichtspunktes offen: Wer kümmert sich eigentlich um das Kind Psychotherapie? - Der Artikel war Ende 1999 in der Berliner Blättern (bbpp.de) und auf der Homepage des BVVP (bvvp.de) zu lesen.


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Die Psychoanalyse als Berufsgruppe

Es hat sich in meinem Leben gefügt, daß ich - s. Lebenslauf - zwar ein überzeugter Analytiker wurde, aber nicht Mitglied der organisierten Berufsgruppe "Deutsche Psychoanalytische Vereinigung". So bekam ich als Analytiker zwar die Nachteile zu spüren, nämlich Unverständnis, Vorurteile, Angst und Ablehnung von Seiten der breiten Bevölkerung und der anders denkenden Kollegenschaft, aber nicht die Vorteile, nämlich die Zugehörigkeit zu einem elitären Verein mit entsprechendem Sendungsbewußtsein und berufspolitischem Egoismus. - Durch meine Tätigkeit als Fachbeisitzer in der Ärztekammer Hamburg kam ich berufspolitisch in Gegensatz zu manchen Extrempositionen des Interessenverbandes "der Psychoanalyse" . Mit gewachsener beruflicher Erfahrung und innerer Freiheit, kritisch zu denken, bin ich inzwischen nicht nur berufspolitisch, sondern auch fachlich von der DPV weit abgerückt, und dennoch "Psychoanalytiker" geblieben.


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Die deutsche Seele

Ausgehend von Erfahrungen mit Klienten, die einem übermäßig hochgehängten künstlerischen Ideal nachgingen, Musik, Kunst, Goethe usw. in Gegensatz zu den Anforderungen des realen Lebens, schrieb ich mir dieses 1999 von der Seele:

Die deutsche Psychologie läßt sich durch Betrachtung von Literatur, Kunst und Idealbildern erfassen als bestimmt durch ein Überwiegen des unbewußten symbiosenahen Zwillings (Alter Ego) - Motivs auf Kosten reiferer Strukturbildungen auf der Grundlage des Motivs des Tricksters. Hiermit lassen sich die bekannte deutsche Humorlosigkeit, Vorliebe für abstrakte Musik, Deutsche Romantik, Innerlichkeit, Weltabgewandtheit, Naturbegeisterung usw. sinnig einordnen. Dieser psychologische Gesichtspunkt findet seine Entsprechung im kollektiven Werdegang des deutschen Bürgertums, das im zerstückelten Deutschen Reich und Obrigkeitsstaat nie ödipal - revolutionär zu einer eigenen Identität (beginnend mit dem Trickster) gelangte, sondern politisch unterdrückt in einer dem Mutterleib nahen Regressionshaltung bleiben mußte, der Innerlichkeit, der Mutter Natur, der vorsprachlichen Musik, der Stufe des verschmelzungsnahen Alter Ego verhaftet. Die Idealisierung Goethes, der Erfolg Karl Mays und Richard Wagners, die Psychologie Hitlers und der Nazis und heute die Wiederkehr radikaler Ideologien lassen sich so zusammenbringen.

Der Artikel war zeitweise unter den Fachtexten des Deutschsprachigen Psychotherapieforums zu lesen (psychotherapie.org).


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Weihnachten: Das göttliche Kind wird geboren:
zum psychoanalytischen Verständnis der christlichen Religion

Bei meinen eigenen Patienten hatte mich die Bedeutung der Religion schon lange beschäftigt, besonders angeregt durch die damalige Auseinandersetzung über die Abtreibung und die Stellungnahme des Papstes. Jeder Psychotherapeut weiß, daß Frauen, die abgetrieben haben, unermeßlich daran leiden (in der Hölle sind). Grunbergers Buch von 1999 über die Psychoanalyse des Antisemitismus ärgerte mich und gab mir den Anstoß zu tieferer Beschäftigung. Endergebnis zu Himmelfahrt 2003: Theologie ist Tiefenpsychologie, bis in die letzten Feinheiten der Dogmatik hinein. Die Dreifaltigkeit Gottes, die Gnadenlehre, die Rechtfertigungslehre, alles handelt "übersetzt" von seelischen Strukturen. Über die persönlichen Konflikte der jeweiligen Klienten scheint es sinnvoll, auch die religiös ausgedrückte Mentalität einzubeziehen. Für den praktisch tätigen Psychotherapeuten sind bis heute die Unterschiede zwischen Protestanten und Katholiken von großer Bedeutung, die sowohl theologisch als auch psychoanalytisch erfaßbar sind. - Bei dieser Arbeit stieß ich natürlich auf Max Weber, in dessen Fußstapfen ich, ohne es zu planen, trat.

Da ich noch an eine Veröffentlichung denke, beschränke mich auf Inhaltsverzeichnis und Vorbemerkung.
Diese können hier weitergelesen werden unter: Christentum.


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Brahms und Agathe:

Johannes Brahms hat mit seinem zweiten Streich - Sextett in G-Dur op.36 eine tief ergreifende Musik geschrieben. Im thematischen Material ist der Name seiner Jugendgeliebten Agathe von Siebold enthalten. Für den Psychologen bündeln sich in dem Scheitern dieser Liebschaft und - beinahe - Verlobung die lebensgeschichtlichen Konflikte, an denen Brahms scheiterte, die ihn aber zu seiner tiefgehenden und substanzreichen, indes auch formal gebändigten Musik bewegten.

Weiterlesen (Die Datei enthält Abbildungen und ist über  8 mB groß) unter: Brahms




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  Praxis:
Lüneburger Straße 43, 21073 Harburg, 040-7658040
S-Bahn Harburg - Rathaus, Richtung Hamburg-Mitte aussteigen, rechts die Treppen hoch. Dann steht man in der Tiefebene, links geht es zu Karstadt; weiter rechts die Treppe hoch steht man vor dem Pfandleihhaus Friedrich Werdier, links daneben geht es in das Treppenhaus, im dritten Stock bin ich.



Harburg: Harburg:
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Dr. P. Seidel
Psychiater/Psychoanalyse/Psychotherapie
Lüneburger Straße 43,  21073 Hamburg
040/7658040
Als Arzt bin ich verpflichtet, auf meine Sprechstunden hinzuweisen:
Ich arbeite außer MIttwochnachmittag zwischen 8 und 18 Uhr.
Es versteht sich von selbst, daß die 50 Minuten dauernden Sitzungen
bei einem Therapeuten nur telephonisch vergeben werden können.
psypse@aol.com